Jahresrückblick: Wie du 50.000 € im ersten Jahr verdienst

Das Jahr 2025 ist bald vorbei – und damit auch das erste Jahr meiner Selbstständigkeit. Hier ein Rückblick. Ich hoffe, er ist für den ein oder anderen lehrreich.

Vorphase und Gründungszuschuss

Ende 2024 kündigte ich meine Festanstellung bei einem Konzern als Penetrationstester. Langweilige Projekte, die aus meiner Sicht nur aus bürokratischen Zwängen heraus gemacht wurden und keinen Mehrwert schufen, machten mir klar das es ist Zeit für Veränderung und Weiterentwicklung war.

Ich ignorierte alle Ratschläge, die mir sagten, ich hätte zu wenig Berufserfahrung und solle mir erst parallel zum Angestelltenverhältnis etwas Eigenes aufbauen, und reichte im Sommer 2024 meine Kündigung ein.

Bevor es jedoch in die Selbstständigkeit ging, meldete ich mich bei der Arbeitsagentur arbeitslos. Sobald du dort gemeldet bist, hast du die Möglichkeit, unter gewissen Voraussetzungen eine Unterstützung für eine Existenzgründung zu beantragen.

Diese teilt sich in zwei Phasen:

  • Phase 1: 6 Monate Unterstützung bestehend aus dem zuletzt erhaltenen Arbeitslosengeld plus 300 €
  • Phase 2: weitere 9 Monate 300 € zur sozialen Absicherung

Du kannst deinem zuständigen Betreuer mitteilen, dass du dich gerne selbstständig machen möchtest. Dieser wird dir die entsprechenden Unterlagen zukommen lassen.

Gefordert wird unter anderem ein vollständiger Businessplan, eine Finanzierungsvorschau und eine Prüfung der Tragfähigkeit, z. B. durch einen Steuerberater. Ich habe für alles ca. 4 Wochen gebraucht. Wichtig: Es gibt die Möglichkeit, dass trotz aller Arbeit der Antrag abgelehnt wird. Meiner wurde für Anfang 2025 bewilligt.

Falls du hierzu Fragen hast, kontaktiere mich gerne

Januar – März

So, ich war jetzt offiziell registrierter Freiberufler. Anfang Januar saß ich im Kraftwoerk, einem Coworking-Space in Rosenheim. Die Webseite war fertig und Visitenkarten waren bestellt, aber Kundenanfragen gab es keine.

Um ehrlich zu sein: Ich hatte (fast) kein Netzwerk, keine Kunden und eigentlich auch keinen richtigen Plan, wie ich das ändern sollte. Ich ignorierte die Realität für zwei Wochen und trieb mich auf Hack The Box herum, in der Hoffnung, jemand würde sich bei mir melden, was natürlich nicht geschah.

Aber schließlich sah ich ein, dass ich selbst aktiv werden musste. Arno, der auch im Kraftwoerk und im Sales arbeitet, hatte mir ins Gewissen geredet. Also tat ich das einzig Richtige: Ich griff zum Telefon

Willkommen im ColdCall-Game.

Wisst ihr noch, wie sich euer erster Cold Call angefühlt hat? Ich weiß nicht mehr, aber ich erinnere mich gut an das erste Gefühl: Es ist komisch, bei einem Unternehmen anzurufen, wo dich keiner kennt, um die eigene Dienstleistung zu verkaufen. Man hat Angst vor Ablehnung und vor Social Awkwardness.

Mein Vorteil war, dass ich es gewohnt war, regelmäßig fremde Menschen anzusprechen, und so waren soziale Ängste relativ schnell vergessen.

Kaltakquise ist ein Skill-Game, das sowohl Praxis als auch Theorie braucht. Entsprechend solltest du handeln. Wenn du noch nie Kaltakquise betrieben hast, fang klein an, wie beim Laufen. Kein Laufanfänger startet mit einem Marathon, sondern mit ein paar Kilometern und steigert sich über Wochen und Monate.

Block dir am Anfang nicht den ganzen Tag fürs Telefonieren. Starte z. B. mit:

  • 2× je 1 Stunde Telefonieren
  • parallel 2× je 1 Stunde Theorie

Es gibt zahlreiche Videos und Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Meine erste Zielgruppe waren Gesundheitseinrichtungen in Deutschland: Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Davon gibt es offizielle Verzeichnisse in Form von Excel-Tabellen, die frei verfügbar sind. Ich rief in der Pforte an, um mich in die IT-Abteilung verbinden zu lassen. Zusätzlich lohnt sich eine kurze Google-Suche, denn Durchwahlen in die IT-Abteilungen oder zu IT-Leitern sind manchmal auf den hauseigenen Webseiten ausgeschrieben.

Der Vorteil (im Vergleich zu Unternehmen aus der freien Wirtschaft): Es gibt hier oft keine „klassischen“ Gatekeeper. Der Nachteil: IT-Leiter gehen selten ans Telefon.

Ich verbrachte Stunden in Warteschleifen, diskutierte mit IT-Leitern, die keinen Bedarf sahen oder kein Budget hatten, oder die Bedarf sahen, aber am Ende keine Budgetfreigabe von der Geschäftsführung bekamen.

Wenn ihr an diesem Punkt seid: nicht aufgeben und immer wieder nachhaken. Ein „Nein“ bedeutet einfach, dass der Kunde euch noch nicht genug vertraut oder ihr seine Bedürfnisse noch nicht erfüllen könnt und beides kann man ändern. Es ist nicht unüblich, dass vom Erstkontakt bis zum Auftragseingang Monate vergehen.

So vergingen die ersten zwei Monate, und im März sollte es dann so weit sein.

Mein Glück war, dass ich einige Monate zuvor den Geschäftsführer eines Mittelständlers kennengelernt hatte, der auch regelmäßig im Coworking arbeitete und schon letztes Jahr geäußert hatte, dass er einmal einen Penetrationstest durchführen lassen will.

Ich sprach ihn also bei einem „zufälligen“ Treffen an der Kaffeemaschine nochmal darauf an. Wir machten einen festen Termin für ein Angebotsgespräch aus und eine Woche später hatte ich meinen ersten unterschriebenen Auftrag. Endlich.

Und es sollte noch besser kommen: Ein Kunde, mit dem ich schon vor einigen Wochen ein Angebotsgespräch hatte (das aus meiner Sicht nicht gut verlief), meldete sich plötzlich mit einer Beauftragung. So konnte ich tatsächlich im März meinen ersten Auftrag abschließen und mich im April auf den nächsten freuen.

BNI (Business Network International)

Ich möchte kurz auf das BNI-Netzwerk eingehen, dem ich von März bis Oktober 2025 angehörte.

BNI ist ein Unternehmernetzwerk, das in verschiedene Chapter aufgeteilt ist. In jeder größeren Stadt gibt es meist ein solches Chapter, manchmal auch mehrere. Als Mitglied triffst du dich einmal pro Woche zum Frühstück mit anderen Unternehmern aus deinem Chapter. Während des Treffens darf jedes Mitglied sein Unternehmen vor allen vorstellen. Besucher sind möglich und ausdrücklich erwünscht.

Der Jahres-Mitgliedsbeitrag liegt bei ca. 1.900 € brutto plus die Frühstückskosten jede Woche (bei mir grob nochmal ca. 800 €).

Die Idee: Man lernt sich kennen und empfiehlt sich gegenseitig bei potenziellen Kunden. Die Idee fand ich eigentlich gut, allerdings gibt es auch Strukturen, die ich persönlich als unangenehm empfunden habe. Du triffst dort in der Regel Freiberufler wie mich sowie Unternehmer mit bis zu 10 Mitarbeitern, oft Handwerker, aber es sind viele Branchen vertreten.

Meine Empfehlung: Tritt nur bei, wenn deine Zielkundschaft auch unter den Mitgliedern sein kann. Ich konnte während meiner siebenmonatigen Mitgliedschaft keinen einzigen sinnvollen Kontakt knüpfen, langweilte mich eher bei den Treffen und beschloss daher, mir die Zeit und das Frühstücksgeld zu sparen. Ich verließ das Netzwerk vor Ablauf der bereits bezahlten Mitgliedschaft..

April – Juni

Im April und Mai machte ich nicht viel Akquise. Ich konzentrierte mich hauptsächlich auf meinen Auftrag, der (mit Unterbrechungen) bis Mitte Mai andauerte.

Den Juni verbrachte ich auf der Tertulia Farm in der Toskana in Italien – einem Coliving-Space mitten in der Wildnis für digitale Nomaden. Ich mag solche Spaces: Man geht hin, kennt niemanden, trifft die unterschiedlichsten Leute und baut in kürzester Zeit enge Verbindungen auf. Evtl. findet Ihr mich ja hier auf dem Video:

Für mich war die Zeit eine Art Workation. Im Juni bekam ich noch einen kleinen Folgeauftrag, und ich machte mit der Kaltakquise weiter. Gleichzeitig erkundete ich die Toskana, badete an einem nahegelegenen Wasserfall und wir hatten wunderschöne Dinner im Garten mit Blick über das ganze Tal bei Sonnenuntergang.

Wenn ihr könnt: Nehmt euch die Zeit und geht selbst mal hin.

Juli-September

Die ersten größeren Projekte hatte ich erfolgreich abgeschlossen, doch die Auftragsbücher für die Sommermonate zeigten gähnende Leere.

Ich telefonierte 6–7 Stunden jeden Tag, aber es kam nichts dabei raus. Irgendjemand von den Entscheidungsträgern war immer im Urlaub, und mir wurde klar, dass es im Sommer keine weiteren Aufträge geben würde. Der Gründungszuschuss, der am Anfang für finanzielle Entspannung gesorgt hatte, lief aus und der Druck, neue Aufträge zu bekommen, stieg.

Mitte August war ich gerade in München auf dem Weg zu einem Mittagessen, als ich einen Anruf bekam: Ein potenzieller Kunde meldete sich. Ich hatte ihm am Tag davor eine E-Mail geschrieben. Die Gatekeeperin wollte mich nicht durchstellen, verriet mir aber den Namen der Zielperson – also schrieb ich dieser eine E-Mail.

Wir vereinbarten ein Angebotsgespräch, das am Tag davor abgesagt wurde. Nach etwas Hin und Her fanden wir dann im September doch zueinander, und es folgte eine Beauftragung. Parallel bekam ich einen Folgeauftrag von einem bestehenden Kunden. So konnte ich Q3 zumindest nicht mit einer Nullnummer abschließen.

Oktober-Dezember

Im Oktober durfte ich zwei weitere Aufträge abschließen. Im November gab es keinen Auftrag, dafür im Dezember nochmal einen.

Parallel telefonierte ich weiterhin viel und versuchte, im Cold-Call-Game besser zu werden. Ich hatte viele Termine im Kalender mit potenziellen Kunden, die ich im Laufe des Jahres kontaktiert hatte und die erst zu einem späteren Zeitpunkt eventuellen Bedarf meldeten, jedoch konnte ich daraus zunächst keine neuen Aufträge gewinnen.

Im Oktober zog ich aus meinem Coworking-Space in Rosenheim aus, der mir seit Anfang 2023 als Arbeitsplatz diente, und wollte die Gründerszene in München erforschen. Daher mietete ich einen Arbeitsplatz im WERK1 in München an. Hier war schon mehr los als in Rosenheim. Ein großes öffentliches Café, mehrere Coworking-Spaces sowie wöchentliche Veranstaltungen.

So verbrachte ich Q4 die meiste Zeit in München, auch wenn die Deutsche Bahn regelmäßig dafür sorgte, dass ich am Bahnsteig auf einen Zug wartete, der nie kommen sollte.

Trotz aller Höhen und Tiefen und ein paar schlaflosen Nächten bin ich sehr dankbar, was ich dieses Jahr alles erleben durfte. Daher möchte ich mich bei meinen Kunden bedanken, die mir dieses Jahr ihr Vertrauen geschenkt haben, sowie bei allen, die mich begleitet haben. Ganz besonders bei Markus, Johann und Arno, mit denen ich immer reden konnte, die mich ermutigt haben weiter zu pushen, nicht aufzugeben und immer an sich zu arbeiten. Danke euch.

Finanzielles Endresultat 2025:

Folgende Tabelle zeigt den Jahresverlauf (Brutto):

Meine Ausgaben bestanden aus Weiterbildungskosten von 4.000€, Miete von 4.000€ sowie Hardware und Sonstiges für 4.500€

Rechnet man den Gründungszuschuss dazu komme ich auf 53.700 € Umsatz und einen Reingewinn (netto) von 36.000 €.

Ziele für 2026

  1. Umsatz > 100.000 €
  2. Neues Portfolio-Element „Kontinunierliche Überwachung“ an mindestens zwei Kunden verkaufen
  3. CAPE und CWEE Zertifzierung
  4. Einen wöchentlichen Newsletter schreiben

Wir sehen uns nächstes Jahr.